Geborgenheit und Wohlbefinden
Gesundes Wohnen ist nicht allein dadurch gewährleistet, dass schädliche Einflüsse abgewehrt werden.
Die eigene Wohnung oder das eigene Haus haben eine über das Physische weit hinaus gehende Bedeutung als Heim, als Ort des Familienlebens. Sie müssen Geborgenheit und Sicherheit, aber auch Behaglichkeit und Wohlbefinden vermitteln. Sie dienen als Rückzugsmöglichkeit, sollten aber auch das Erleben von Kontakten innerhalb der Familie und mit Gästen fördern. Sie müssen Raum geben für unterschiedliche kulturelle Gewohnheiten und das jeder Generation eigene gesellschaftliche Selbstverständnis.
Beachten Sie folgende Grundsätze:
- Platz für Kinder: Die Wohnung, das Haus und das Umfeld sollten kinderfreundlich sein. Hier wachsen Kinder auf und werden für ihre Aufgaben in der Gesellschaft großgezogen. Kinder brauchen viel Bewegungs- und Spielfläche in der Wohnung und im Freien, möglichst auch vor dem Haus und im eigenen Garten.
- Wohnungsgröße: Große Wohnungen sind ein Schritt zum familiengerechten Wohnen. Jeder Erwachsene und jedes Kind sollte über ein eigenes Zimmer verfügen – eine Forderung, die durch die Zunahme an Freizeit und nicht zuletzt durch lautstarke Hobbys immer größere Bedeutung erlangt.
- Himmelsrichtung: Für die Nutzung der einzelnen Zimmer innerhalb der Wohnung ist vorrangig ihre Lage zur Himmelsrichtung maßgebend. Der Wohnraum sollte viel Sonne erhalten.
- Lage der Räume: Schlafzimmer sollten möglichst im ruhigsten Bereich der Wohnung liegen und vor akustischen und optischen Störreizen von außen geschützt sein.
- Farben: Bei der Farbgebung größerer Wand- und Deckenflächen sollten gebrochene Töne gewählt werden. Reine Farben und übertrieben bunte Farbgebung wirken psychologisch ungünstig und ermüden die Augen.
- Akustische Geborgenheit und Schallschutz: Lärmbedingte Schlafdefizite, Störungen der Erholungs-ruhe und akustische Störungen während konzentrierter Arbeit führen zu Gesundheitsschäden. Schallschutz gegen Außenlärm gilt es vor allem bei offener Bauweise zu beachten. Freistehende Häuser sind von allen Seiten starkem Lärm ausgesetzt. Je dichter gebaut wird, umso wichtiger ist die Schalldämmung zu den Nachbarn. Auch auf geschickte Gebäudeanordnung und Grundrissgestaltung können Lärmbelästigungen von außen und innen vermieden werden.
- Rücksichtnahme auf Ruhezeiten: Die Lärmminderung im Wohnbereich ist jedoch nicht allein durch Grundrisskonzeption und Schalldämmung zu erreichen. Auch aus wirtschaftlichen Gründen sind dem baulichen Schallschutz Grenzen gesetzt. Gegenseitige Rücksichtnahme und Einhaltung von Ruhezeiten sollten selbstverständlich sein.
Gesundes Bauen und Wohnen
Sonne und Licht
Die Besonnung hat einen hohen psychologischen Wert. Sonnige Räume vermitteln eine positive Stimmung, da vom direkten Sonnenlicht fotobiologische Wirkungen ausgehen.
Beachten Sie bei der Grundrissplanung die Lage der einzelnen Zimmer zur Himmelsrichtung und folgende Ratschläge:
- Himmelsrichtung: Der Wohnraum sollte besonnt sein. Reine Nordlage der Zimmer ist zu vermeiden. In unseren Breiten ist die Sonneneinstrahlung selten unerträglich. Geeignete Lüftungsmöglichkeiten und wirksame Sonnenschutzanlagen verhindern eine Überhitzung der Räume in der heißen Jahreszeit.
- Tageslicht und Besonnung: Gesetze und Normen regeln heute, dass Wohnräume mit genügend Tageslicht versorgt werden. Bauordnungen schreiben Gebäudeabstände vor. Auch ohne Sonnen-schein sollten die Fenster genügend Licht einlassen, um bei hellem Tag mühelos lesen und arbeiten zu können. Andererseits sollte auf temporären Sonnenschutz und auf Verdunkelungsmöglichkeit, vor allem der Ruheräume, nicht verzichtet werden.
- Beleuchtung: Der Aufenthalt in der Wohnung ohne bzw. bei reduziertem Tageslicht erfordert eine der jeweiligen Tätigkeit entsprechende starke, aber blendungsfreie künstliche Beleuchtung. Um einwand-freies, scharfes Sehen zu ermöglichen, sind starke Kontraste auf Arbeitsflächen, z.B. in Küchen, zu vermeiden.
- Farben: Bei der Farbgestaltung sollten gebrochene Farben bevorzugt werden. Eine übertrieben bunte Farbgebung ist psychologisch ungünstig und führt zu schneller Ermüdung der Augen.
Lüftung und Raumklima
Die verstärkten Bemühungen um Einsparung von Heizenergie haben dazu geführt, dass weniger gelüftet wird. Dichte Fensterkonstruktionen und geänderte Lüftungsgewohnheiten tragen zu einem geringeren Luftaustausch bei. Ausreichend Sauerstoff und schadstoffarme Atemluft sind jedoch wesentliche Grundlagen für gesundes Wohnen. Über einen angemessenen Luftwechsel durch natürliche Lüftung → Fensterlüftung, Lüftungsgeräte oder Lüftungsanlagen → Kontrollierte Wohnungslüftung müssen Luftschadstoffe abgeführt werden.
Die Anforderungen an ein gesundes Raumklima lauten:
Gesetzliche Regelungen schließen jedoch nicht aus, dass infolge von Baufehlern, durch Verwendung oder Anwendung nicht gebräuchlicher, nicht bewährter oder nicht zugelassener Baustoffe, Bauteile und Bauarten, durch die Erprobung neuer, evtl. ungeeigneter Materialien oder im Zusammenhang mit neuen Erkenntnissen Gesundheitsgefahren eintreten. In solchen Fällen haben die Bauaufsichtsämter und die Gesundheitsämter nach pflichtgemäßem Ermessen unverzüglich Maßnahmen zu treffen. Von bewährten und allgemein gebräuchlichen Baustoffen gehen bei fachgerechtem Einbau nach heutigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Gefahren aus. Auch die Verwendung neuer Baustoffe ist unbedenklich, sofern sie von den zuständigen Behörden geprüft und ggf. zugelassen sind. Voraussetzung für ein gesundes Raumklima ist die Verwendung schadstofffreier Baustoffe und entsprechender Konstruktionen.